Auf der Suche nach der optimalen Jagdquote

Ich bin stolz, den folgenden Gastbeitrag zu präsentieren:
Rocío Pozo (VM, MSc)
PhD candidate, Department of Zoology
University of Oxford
https://zoo-e2d.zoo.ox.ac.uk/ro_website/
http://www.ecoexistproject.org/reporting-back/scientific/meet-rocio-pozo/

 

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ResearchBlogging.org
Pozo, R., Schindler, S., Cubaynes, S., Cusack, J., Coulson, T., & Malo, A. (2016). Modeling the impact of selective harvesting on red deer antlers The Journal of Wildlife Management DOI: 10.1002/jwmg.21089

Stellen Sie sich vor, sie bereiten sich auf die Hirschjagd vor. Die Saison hat gerade begonnen und sie möchten eine schone Jagdtrophäe schießen. Bevor Sie dies tun können, sollten Sie sich über die erlaubte Jagdquote informieren. Diese bestimmt welche Hirsche, zum Beispiel welchen Alters, Geschlechts, etc., und wie viele von ihnen geschossen werden dürfen.

(c) Jeremy Cusack (www.jeremycusack.com)

(c) Jeremy Cusack (www.jeremycusack.com)

Das Festlegen einer Jagdquota ist nicht einfach. Seit Jahrzehnten bemühen sich Jäger sowie Aufsichtsbehörden um eine ausgewogene und nachhaltige Jagdquote. Diese hängt von der Tierart, dem Bestand und den zu erhaltenen Merkmalen, wie Geweihlänge, Geschlechtsverhältnis oder Altersstruktur in der Population, ab. Wir werden dieser Frage am Beispiel von Rothirschen nachgehen.

Oberstes Ziel einer nachhaltigen Jagdquote ist natürlich, dass sich die Population von einer Jagdsaison zur nächsten erholen kann, das heißt dass der Bestand konstant bleibt und die Population nicht ausstirbt, weil zu viele Hirsche geschossen wurden. Jäger wollen primär jedes Jahr genügende Hirschbullen mit großen Geweihen zur Verfügung haben, die sie erlegen können. Das Ziel ist also ein bleibend hoher Bestand mit vielen Männchen, die große Geweihe tragen, obwohl gerade letztere besonders oft geschossen werden. Wie erreicht man das?

Die Trophäenjagd auf Rothirsche übt seit Jahrhunderten einen künstlichen Selektionsdruck aus, weil sie hauptsächlich männliche Hirsche aus der Population beseitigt. Damit wird die Sterberate der ausgewachsenen Bullen künstlich erhöht und ihre Fortpflanzungsmöglichkeit beendet. Wenn also Bullen mit großen Geweihen geschossen werden, können sie ihre Gene, die möglicherweise große Geweihe verursachen, nicht mehr weitergeben, ihr Fortpflanzungswert oder -potential sinkt, und die durchschnittliche Geweihlänge in der Population könnte sinken. Über die Jahrhunderte hat man jedoch keine konsistenten Veränderungen in der Geweihlänge durch die Jagd beobachten können. Dies deutet darauf hin, dass Umweltbedingungen möglicherweise einen größeren Einfluss auf die durchschnittliche Geweihlänge haben als der künstliche Selektionsdruck durch die Jagd.

Es wäre daher nützlich, den tatsächlichen Einfluss der Jagdquote auf die Geweihlänge in der Population und dem Fortpflanzungswert einzelner Hirsche messen zu können. Experimente an tatsächlichen Rothirschpopulationen wären hierfür zu aufwendig, finanziell nicht tragbar und trügen das Risiko von irreversiblen Bestands- und Geweihlängenreduktionen. Daher entwickelte unsere Forschungsgruppe ein theoretisches Modell, um den Effekt der Jagdquota auf Bestand, Fortpflanzungswert und durchschnittliche Geweihlänge zu messen. Wir testeten drei Jagdquoten: 10%, 20% und 50%, bei denen jeweils 10%, 20% bzw. 50% der Hirschbullen mit Geweihen, die eine Mindesgrösse überschritten, geschossen werden. Wir fanden heraus, dass die Höhe der Jagdquote eher den individuellen Fortpflanzungswert beeinflusst als die durchschnittliche Geweihlänge. Zudem verringert sich die mittlere Geweihlänge in der Population kaum, wenn die Quoten moderat, also kleiner als 20% sind. Es könnte sich hierbei also tatsächlich um eine nachhaltige Quote handeln.

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