Was die Trophäenwachstumsrate mit nachhaltiger Jagd zu tun hat

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Schindler, S., Festa-Bianchet, M., Hogg, J., & Pelletier, F. (2017). Hunting, age structure, and horn size distribution in bighorn sheep The Journal of Wildlife Management DOI: 10.1002/jwmg.21259

Jagdrichtlinien sollen eine nachhaltige Jagd sicherstellen. Die meisten Richtlinien erreichen dieses Ziel jedoch nicht, denn die durchschnittliche Länge der Trophäen, wie zum Beispiel die Hörner von Dickhornschafen, Muffelwild oder Antilopen, werden in vielen bejagdten Beständen immer kleiner. Ein Grund hierfür könnte sein, dass die Wachstumsrate der Trophäen beim Erlassen der Richtlinien nicht berücksichtigt wird.

Trophäe eines Dickhornschafes. Kollektion des Life Sciences Building der Universität zu Bristol. (c) Susanne Schindler

Die Geschwindigkeit, mit der Trophäen wachsen, variiert überraschend stark zwischen den Herden, denn die lokale Landschaft beeinflusst wesentlich das Mikroklima, wie zum Beispiel den Windschutz, Niederschlagsmenge, Licht und Schatten. Diese lokalen Bedingungen bestimmen wie viel und wie nahrreich das Angebot an Nahrung ist, und nur mit ausreichender Nahrung können Tiere ihre Trophäen wachsen lassen. Trotz großer Unterschiede in den Wachstumsgeschwindigkeiten der Trophäen, finden diese bei der Festlegung der Jagdrichtlinien keine Beachtung. Dadurch können unerwünschte Auswirkungen der Jagd größer ausfallen als beabsichtigt.

Unser internationales Team von Forschenden aus Großbritannien, Kanada und den USA hat untersucht, wie sich die Jagd in zwei Herden mit unterschiedlichen Trophäenwachstumsgeschwindigkeiten auswirkt. Wir haben ein realistisches Computermodell für zwei Herden von Dickhornschafen kreiert: Eine Herde mit langsam und eine Herde mit schnell wachsenden Trophäen. Diese beiden Herden unterwarfen wir verschiedenen Bestimmungen zur Mindestlänge von Trophäen und verschiedenen Abschusszahlen.

Unsere Ergebnisse zeigen, dass je schneller Trophäen in einer Herde wachsen, desto anfälliger ist sie für unerwünschte Jagdauswirkungen. Zum Beispiel haben Herden mit schnell wachsenden Trophäen eine stark verzerrte Altersstruktur mit einem Übermaß an jungen Tieren. Denn je schneller Trophäen wachsen, desto mehr und desto jünger sind die Tiere, deren Trophäen die gesetzliche Mindestlänge überschreiten und damit dem Risiko des vorzeitigen Todes durch Jäger ausgesetzt sind. Hohe Jagdintensitäten haben daher dramatischere Auswirkungen in Herden mit schnell wachsenden Trophäen.

Wie stark die Bejagung die durchschnittliche Trophäenlänge dezimiert oder die Altersstruktur der Herde verzerrt, hängt damit von der Geschwindigkeit ab, mit der die Trophäen wachsen. Entscheidungsträger sollten also vor dem Erlassen der Jagdrichtlinien die lokale Trophäenwachstumsrate bestimmen, damit sie realistischere Abschätzungen über die Auswirkungen der Jagd treffen können. Damit könnte die Verzerrung der Altersstruktur und die Reduktion der Trophäenlänge gedeckelt, das Risiko der künstlichen Auslese verringert, und letztendlich eine nachhaltigere Jagd erreicht werden.

Dank: Herzlichen Dank an die Erstlesenden Günter Grüning und Hanna Olbrich.

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